Die Antwort der Landesregierung auf meine Kleine Anfrage ist eine große Enttäuschung. Der Verkehrsminister verschanzt sich hinter der Realisierungsstudie des Bundes aus dem Jahr 2006 und bleibt konkrete Antworten schuldig. Schlimmer noch: Wenn es nach der Landesregierung geht, wird es für die Pendlerinnen und Pendler aus dem Rechtsrheinischen eine erhebliche Verschlechterung geben. Für mich ist klar: Ein Rhein-Ruhr-Express, der nicht am Mülheimer Regionalbahnhof mit einem Einzugsgebiet von rund 500.000 Einwohnern, so die Schätzung des VCD, hält, ist kein Rhein-Ruhr-Express. In einer neuen Anfrage werde ich die Aussage des Landes zu klären versuchen, welche Kosten für die zusätzlich erforderliche Infrastruktur zur Einrichtung des Haltepunktes am Bahnhof Mülheim entstehen.
Das weitere entnehmen Sie bitte der angefügten Kleinen Anfrage sowie der Antwort der Landesregierung.
Kleine Anfrage 3748 des Abgeordneten Marc Jan Eumann, SPD
Drucksache 14/10621
Namens der Landesregierung beantworte ich die Kleine Anfrage 3748 wie folgt:
Vorbemerkung der Landesregierung
Nordrhein-Westfalen benötigt auf der Kernachse zwischen Dortmund und Köln dringend eine verbesserte Schieneninfrastruktur zur Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Fahrgastströme. Mit dem geplanten Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird diese Verkehrsinfrastruktur realisiert und der Schienenverkehr optimiert.
1. Wird die Landesregierung vor dem Hintergrund der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten ihre bisherige Position aufgeben und in den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn und dem Bund Sorge dafür tragen, dass auch der Bahnhof Köln-Mülheim RRX-Systemhalt wird?
2. Warum setzt sich die Landesregierung angesichts der Bedeutung des Regionalbahnhofes nicht dafür ein, dass der Regionalbahnhof Köln-Mülheim RRX-Systemhalt wird?
Die Realisierungsstudie des Bundes aus dem Jahr 2006 sieht für den RRX keinen Haltepunkt am Bahnhof Köln-Mülheim vor. Grundlage ist die Abwägung des Nutzens für die Ein- und Aussteiger und des Nutzens für die durchfahrenden Fahrgäste. In diesem Zusammenhang müssen auch die Kosten für die zusätzlich erforderliche Infrastruktur zur Einrichtung des Haltepunktes und ihre Auswirkungen auf das Nutzen/Kosten-Verhältnis, das über die Realisierung der Gesamtmaßnahme befindet, betrachtet werden. Im Interesse einer raschen Verwirklichung des RRX wird derzeit keine Möglichkeit gesehen, dass das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung von der im Rahmen der Realisierungsstudie getroffenen Entscheidung abweicht. Die bestehende Anbindung des Bahnhofes Köln-Mülheim im Nahverkehr durch die S-Bahn bleibt von der Maßnahme unberührt.
3. "Wir wollen ihn so schnell wie möglich auf die Schiene bringen. Das Projekt hat oberste Priorität", hat Ministerpräsident Rüttgers in der o. a. Regierungserklärung gesagt. Bedeutet diese Aussage, dass jetzt klar ist, wann die erste Fahrt des RRX im Regelbetrieb erwartet werden kann?
In der Antwort der Landesregierung auf meine Kleine Anfrage 3652 am 02.12.2009 konnte die Landesregierung noch keine Aussage darüber treffen.
Die Vorentwurfsplanung der im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums planenden Deutschen Bahn AG wurde am 18. Juni 2009 abgeschlossen und im Ausschuss für Bauen und Verkehr des Landtags Nordrhein-Westfalen präsentiert. Es ist vorgesehen, dass die Bahn die erforderlichen Planfeststellungsverfahren ab dem nächsten Jahr einleitet. Eine Inbetriebnahme des RRX ist vom Verlauf der Planfeststellungsverfahren, die auch eine umfassende Bürgerbeteiligung beinhalten, abhängig. Die Landesregierung setzt sich dafür ein, dass der RRX unmittelbar mit Abschluss des Infrastrukturausbaus zum Einsatz kommt.
4. Welche Auswirkungen wird die Inbetriebnahme des RRX auf das Produkt Regionalexpress haben?
Mit dem RRX-Konzept werden die Betriebsleistungen der betroffenen RegionalExpress-Linien erheblich gesteigert. Die Realisierungsstudie des Bundes weist eine Erhöhung von 3,5 Millionen Zugkilometer pro Jahr bei einem Angebot von 18 Zugpaaren pro Tag aus. Das Bedienungskonzept sieht einen Stundentakt von insgesamt sechs Linien vor. Auf der Kernstrecke zwischen Dortmund und Köln werden vier Linien zu einem 15-Minuten-Takt gebündelt. Zusätzlich werden zwei weitere Linien je Stunde zwischen Oberhausen und Düsseldorf verkehren.
Lutz Lienenkämper